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  1. Rudi Völler findet die Kritik wegen der enttäuschenden Europapokal-Bilanz der Bundesligisten überzogen. "Als dem FC Bayern, Dortmund und Schalke 04 der FC Liverpool, Tottenham und Manchester zugelost wurden, war mir sofort klar: Wenn alle drei gegen die Engländer ausscheiden, wird der deutsche Fußball wieder zu Grabe getragen", sagte der Sport-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen der Sport Bild, "das ist bei uns so."

    Leverkusen war in der Europa League ebenfalls früh gescheitert, schon in der Runde der letzten 16 kam das Aus gegen FK Krasnodar. "Wir gehören auch zu denjenigen, die sich viel mehr vorgenommen haben", sagte Völler, "doch den deutschen Fußball jetzt wieder komplett am Boden zu sehen, ist dann doch einen Tick übertrieben."

    Völler verweist auf spanische Klubs

    "Was sollen die Spanier sagen?", so Völler. Mit dem FC Barcelona sei dieses Jahr im Gegensatz zu früher auch nur ein Klub im Viertelfinale der Champions League dabei. Und die englische Premier League habe "in Anbetracht ihrer wirtschaftlichen Voraussetzungen in den vergangenen Jahren viel zu wenig gewonnen".

    Auch wenn die Nationalmannschaft 2018 "weit unter den Ansprüchen" geblieben sei, sieht Völler viel Positives. "Wir dürfen uns nicht kleiner machen als wir sind. Dafür haben wir immer noch viel zu gute Spieler, allein wenn ich an Leroy Sane, Timo Werner, Julian Brandt, Kai Havertz, Marco Reus, Julian Draxler, Joshua Kimmich oder Leon Goretzka denke."

    Völler: Nachfolgende Generation nicht so stark 

    "Wir dürfen nicht alles in Schutt und Asche legen, was wir haben. Bis 2017 war alles gut. Warum? Weil wir erfolgreich waren", sagte Völler. Doch der 58-Jährige sieht auch bedenkliche Tendenzen. "Vor zwei, drei Jahren hatten wir noch ein Überangebot an Topspielern. Das ist in der nachfolgenden Generation nicht mehr so. Da müssen wir aufpassen, nicht in ein Loch zu fallen."

  2. Sportvorstand Jochen Schneider vom Bundesligisten Schalke 04 sieht die Königsblauen in akuter Abstiegsgefahr. "Die Situation ist sehr bedrohlich. Das Gefährliche ist, wenn Außenstehende glauben, Schalke sei zu groß, um abzusteigen", sagte der 48-Jährige der Sport Bild: "Das dachte man vor drei Jahren auch über den VfB Stuttgart." Die Schwaben, bei denen Schneider bis 2015 angestellt war, hatten 2016 nach 39 Jahren den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen.

    Klare Ansage ans Schalker Team 

    "Darum haben wir der Mannschaft klargemacht, wie prekär die Situation ist", so Schneider weiter. Schalke steht nach 26 Spieltagen auf Rang 15 der Tabelle und hat nur drei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz 16. Aus den vergangenen acht Ligaspielen gab es keinen einzigen Sieg und nur zwei Punkte. In der vergangenen Woche war Trainer Domenico Tedesco durch die Schalker Legende Huub Stevens ersetzt worden.

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     Trotz des Trainerwechsels ist sich Schneider sicher, dass Tedesco seinen Weg gehen wird: "Domenico wird eine große Trainerkarriere hinlegen", so der Sportchef. Tedesco war 2017 von Erzgebirge Aue nach Schalke gekommen und hatte dort auf Anhieb die Vizemeisterschaft geholt. Der 33-Jährige bringe laut Schneider "alle fachlichen Qualitäten mit, hat Visionen, kann Menschen begeistern, arbeitet akribisch und gibt immer Vollgas".

    Die Erfahrungen aus der Seuchensaison 2018/19 seien für Tedesco "sehr hilfreich", sagte Schneider.

  3. Es war einer der bittersten Abende von Uli Hoeneß in seiner Zeit als Präsident des FC Bayern München. Mit zusammengepressten Lippen verließ er schweigend den Audi Dome – umringt von seinen Begleitern, Kameras und Reportern.

    Auf der gerade zu Ende gegangenen Jahreshauptversammlung am 30. November 2018 hatte Hoeneß von Teilen der eigenen Anhängerschaft herbe Kritik einstecken müssen, es setzte Pfiffe von der Tribüne, einige Mitglieder trugen Buttons mit der Aufschrift "Not my President". Der Verein war Hoeneß innerhalb eines einzigen Abends fremd geworden.

    Entsprechend deutlich fiel zwei Tage später seine Reaktion aus: "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich hoffe, dass es sich wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern."

    Rund drei Monate später hat sich die Lage bei Hoeneß – ähnlich wie die sportliche Situation des FC Bayern – wieder beruhigt. "Ich habe gesagt, dass ich im Frühjahr – das beginnt bei mir am 20. März und endet Ende Juni – entscheiden werde, ob ich weitermache oder nicht", kündigte der Patriarch im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 an. Jetzt ist der Frühling da, doch überlegen muss Hoeneß schon lange nicht mehr. Fast alle Argumente sprechen für eine weitere Kandidatur.

    Hoeneß will immer noch gestalten

    Hoeneß hatte - ebenfalls im Doppelpass - angefügt, erst dann aufzuhören, wenn die Weichen im Verein in seinem Sinne gestellt sind. Davon kann derzeit keine Rede sein. Sportdirektor Hasan Salihamidzic füllt seine Position bei weitem noch nicht so aus, wie Hoeneß es sich wünscht, und sorgte nach dem Spiel gegen Mainz 05 für Aufsehen, als er verkündete: "Mich interessiert nicht, was Uli Hoeneß sagt."

    Was wie ein Affront gegen den Präsidenten klang, war letzten Endes nur Ausdruck der nach wie vor eher schwachen Position des Bosniers. Er versucht weitgehend vergebens, sich öffentlich von seinem Mentor freizuschwimmen.

    Die Installation von Oliver Kahn im Klub ist außerdem noch nicht unter Dach und Fach. Hoeneß hält auch hier die Zügel in der Hand, er will den Umbau gestalten - auch bei der Mannschaft.

    "Wir sind gerade dabei, unsere Mannschaft zu verjüngen. Das ist das größte Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte", erklärte Hoeneß am Dienstag auf der Bühne der Maklermesse des Dienstleisters Fonds Finanz im Münchner MOC. Heißt: Die Bayern werden im Sommer bei den Spielertransfers so tief in die Tasche greifen wie nie zuvor. Bisher lag der Transferrekord im Sommer 2017/18 bei 116 Millionen Euro für sieben neue Spieler.

    Basketballer sind Hoeneß' Herzensprojekt

    Zudem wurde Uli Hoeneß Mitte Dezember erneut als Aufsichtsratvorsitzender der FC Bayern München AG bestätigt – für die nächsten vier Jahre. Das Amt war stets in der Hand des jeweiligen Bayern-Präsidenten.

    Und da wären noch die Basketballer des FCB. Das Lieblingsprojekt des 67-Jährigen steht vor dem nächsten großen Sprung. Die neue Arena im Münchener Olympiapark soll zur Saison 2021/22 fertig sein.

    Kaum vorstellbar, dass Hoeneß dann bei der Eröffnung als normaler Fan auf der Tribüne Platz nehmen wird, gilt er doch als geistiger Vater des Mega-Projekts - auch wenn es von Red Bull bezahlt wird und der FC Bayern "nur" Mieter ist.

    Rückendeckung reicht über die Arena hinaus

    Doch wollen die Fans sich weiterhin von der "Macht-Maschine" Hoeneß "regieren" lassen? Über vereinzelte Pläne in der kritischen Fanszene, bei der kommenden JHV im November einen Gegenkandidaten aufzustellen, schmunzelt man im Hoeneß-Lager. Zu Recht, denn die wahre Basis für Hoeneß' Einfluss sind nicht die Fans in der Südkurve, sondern die vielen Anhänger in der Provinz.

    Wer einmal einen Fanklub-Besuch des Präsidenten im Allgäu oder Niederbayern erlebt hat, merkt schnell: Hier ist "der Uli" immer noch ein Star und Hoeneß weiß, wie er mit den Fans umgehen muss. Kein Ortstermin dieser Art endet ohne das obligatorische Versprechen einer kostenlosen Wurstlieferung aus der Fabrik seiner Kinder. Wenn Hoeneß dann mit dem Schal des jeweiligen ortsansässigen Fanklubs für Fotos posiert, ist Jubel garantiert. Und es sind genau diese Fans, die ihre Mitgliedschaft ernst nehmen und die Jahreshauptversammlungen besuchen.

    Hoeneß gibt sich geläutert

    Die Skeptiker unter den Ultras bezirzte der Präsident zudem am 119. Geburtstag des FC Bayern, indem er deren Verdienste rund um die Geschichte des Klubs ausdrücklich lobte.

    Auch dass er nach der Ausbootung von Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels durch Bundestrainer Joachim Löw besonnen reagierte, kam bei Hoeneß' Kritikern gut an. Ohnehin hat sich der 67-Jährige seit dem stürmischen Herbst öffentlich auffällig rar gemacht. Nachdem er sich für die Art und Weise der berühmt-berüchtigten Krawall-Pressekonferenz entschuldigte, schwieg er lange Zeit, ehe er im Doppelpass einen aufgeräumten Auftritt hinlegte.

    Susi Hoeneß die einzige Hürde

    Die einzige unbekannte Variable in Hoeneß' Plänen ist Ehefrau Susi. Als im Doppelpass alle Gäste mitteilten, sie könnten sich nicht vorstellen, dass Hoeneß aufhöre, lächelte dieser und sagte: "Meine Frau schon...". Susi hielt ihm in all den Jahren stets den Rücken frei und stand auch in Zeiten von Daum-Affäre und Steuerverfahren zu ihrem Mann. Der Gatte weiß, was er ihr schuldig ist, und gemeinsame Zeit ist ein seltenes Gut.

    Allerdings ist Hoeneß mittlerweile ohnehin zuhause präsenter als noch vor seiner Zeit im Gefängnis. Die Geschäfte in der Wurstfabrik leiten seine Kinder und die Sonntage gehören grundsätzlich der Familie und vor allem den Enkelkindern. Wenn Hoeneß sich also zur Kandidatur entscheidet, dürfte er bei Susi zwar nicht für Begeisterung sorgen, letzten Endes stünde sie aber hinter seiner Entscheidung.

    Hoeneß' berühmter Satz "Das war's noch nicht!" gilt also weiterhin. Der Patron vom Tegernsee wird im kommenden November als alter und neuer Präsident des FC Bayern den Audi Dome verlassen. Und diesmal nicht mit zusammengepressten Lippen, sondern mit einem Siegerlächeln.

  4. Die teuersten Wechsel der Bundesliga zum Durchklicken:

    Wird Nicolas Pepe der neue Rekordtransfer der Bundesliga?

    Für den 23-Jährigen vom OSC Lille macht der FC Bayern angeblich seine Geldbörse weit auf. Laut BeIN Sports France bietet der deutsche Rekordmeister 80 Millionen Euro für den Flügelstürmer.

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    Damit würden sich Pepe und der FC Bayern weit oben im Ranking der Rekordtransfers einordnen.

    SPORT1 zeigt die Top 20 der teuersten Transfers der Bundesliga.

  5. 16 Monate und zwölf Tage: So lange musste Kingsley Coman auf eine Nominierung für Frankreichs Nationalmannschaftwarten.

    497 verlorene Tage für das vielversprechende Talent, dem schon vor dreieinhalb Jahren eine große Karriere bei "Les Bleus" vorausgesagt worden war. Coman galt bei seinem Debüt im November 2015 als der Nachwuchsstar schlechthin, auf dem heutigen Leistungsträger des FC Bayern - damals noch bei Juventus Turin unter Vertrag - ruhten große Hoffnungen für eine goldene Zukunft in der Equipe Tricolore.

    Mehr noch: Coman sollte die Mannschaft zu großen Siegen und Titeln führen.

    Doch wie so oft im Leben sollte es anders kommen.

    Coman: Erst ein Tor für "Les Bleus"

    Rückblende: Es war der 10. November 2017, als der damals 21-Jährige bei einem Freundschaftsspiel gegen Wales seinen jüngsten Auftritt für Frankreich hinlegte. Sein letztes - und bislang einziges - Tor im Nationaltrikot erzielte Coman bereits am 29. März 2016(!) im Freundschaftsspiel gegen Russland.

    Und dazwischen? Vor der jetzigen Nominierung für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele war es eine Odyssee an Verletzungen, die den Offensiv-Wirbler sowohl die Teilnahme an der Weltmeisterschaft inklusive Titel kosteten, als auch den Gruppensieg in der UEFA Nations League verpassen ließen.

    Goldene Generation, große Siege, WM-Pokal – alles ohne Shootingstar Coman.

    Der Grund dafür ist mittlerweile ein Dauerthema: Der Knöchel des "King" - eine Leidensgeschichte, die ihresgleichen sucht. Immer wieder stoppte Coman in den vergangenen Jahren das Verletzungspech. Immer wieder war es dabei das stets gleiche Leid mit dem linken Sprunggelenk.

    Knöchelverletzungen werfen Coman aus der Bahn

    Eine Kapselverletzung im August 2016 (25 Tage Pause) sowie ein anschließender Kapselriss im Sprunggelenk im November 2016 (53 Tage Pause) forderten die erste längere Zwangspause im Nationalteam. Erst nach mehr als einjähriger Abwesenheit konnte der Flügelspieler im August 2017 zu Les Bleus zurückkehren.

    Doch auch der zweite Versuch, sich im Team der Franzosen durchzusetzen und festzuspielen, scheiterte abrupt. Nach nur vier Einsätzen in Diensten der Nationalelf folgte im Februar 2018, wieder am selben Sprunggelenk, Syndesmosebandriss Nummer eins, der auch das Aus für die anstehende WM in Russland besiegelte.

    Der Rest der Geschichte ist bekannt: Frankreichs von Superstars gespickte Riege holte den Titel, Coman erlebte alles mit Wehmut zuhause vor dem TV.

    Doch es kam sogar noch schlimmer: Mitte August 2018 – exakt sechs Monate nach dem ersten Mal - riss das Syndesmoseband abermals. Wieder musste Coman einen Rückschlag verdauen und drei Monate pausieren. Konsequenz: In dieser Zeit verpasste er die komplette Gruppenphase der Nations League, die Frankreich dominierte.

    Seit Ende November ist der Bayern-Star zurück auf dem Platz und startet jetzt also den dritten Anlauf, sich in Frankreichs Nationalteam endlich zu etablieren. Coach Didier Deschamps, unter dem Coman im November 2015 auch debütierte, gibt dem Rechtsfuß nach fast anderthalb Jahren Abstinenz die nächste Chance. Und diesmal soll sie endlich auch von Dauer sein. Comans magere Bilanz von 15 Länderspielen aus dreieinhalb Jahren bedarf dringend einer Aufpolierung.

    Frankreichs Überangebot auf den Außenbahnen

    Die Frage ist nur: Kommt selbst ein gesunder und fitter Coman überhaupt zum Zug? Immerhin drängen sich auf den Außenbahnen im Kader der Franzosen eine Menge an herausragenden Spielern.

    Allein auf Linksaußen konkurriert Coman mit keinen Geringeren als Ousmane Dembele vom FC Barcelona sowie Anthony Martial (Manchester United). Noch schwieriger macht es aber der Umstand, dass Deschamps in wichtigen Spielen in der Regel Routinier Blaise Matuidi den Vorzug auf Linksaußen gibt.

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    Zwar ist Coman auf den Flügeln flexibel einsetzbar, doch auch auf der rechten Außenbahn hat die Konkurrenz große Namen. Florian Thauvin von Olympique Marseille und Atleticos Thomas Lemar sind dabei sogar noch die niedrigeren Hausnummern - denn gesetzt ist ein gewisser Kylian Mbappe, der durch das Überangebot im Sturm (Antoine Griezmann und Olivier Giroud) auf außen ausweichen muss.

    Deschamps fordert: "Coman muss effektiver werden"

    Während Coman bei den Bayern sowohl auf dem linken als auch auf dem rechtem Flügel unverzichtbar geworden ist, fordert Deschamps für das Nationalteam angesichts dieser Konkurrenzsituation nicht ohne Grund mehr von ihm. 

    "Wie jeder Offensivspieler muss auch er daran denken, seine Statistiken und seine Effektivität zu verbessern", sagte der Nationaltrainer am Montag über den Rückkehrer.

    Coman wird alles daran setzen, seinen Chef zufriedenzustellen. Voraussetzung dafür: Der Knöchel des "Kings" muss halten.

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